Stoffe und Material

Baumwolle (CO - Cotton oder BW)

Baumwolle ist die bekannteste Naturfaser und die am meisten verwendete Textilfaser in der Bekleidungsindustrie überhaupt.  Sie wird bereits seit Jahrtausenden zur Herstellung von Bekleidung verwendet. Baumwolle wird aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze hergestellt, einer kraut- bis strauchartigen Pflanze. Botanisch gesehen gehört diese übrigens zu den Malvengewächsen. Es gibt über 20 verschiedene Arten. Für die Baumwollherstellung kultiviert werden aber nur vier. Baumwolle ist sehr saugfähig (sie kann bis zu 65% ihres Eigengewichtes an Wasser aufnehmen), trocknet aber nur langsam. Sie ist besonders hautfreundlich ("kratzt nicht") und hat nur ein sehr geringes Allergiepotential. Daher ist Baumwolle besonders für empfindliche Haut häufig die beste Wahl. Ein Nachteil der Baumwolle ist allerdings neben der langsamen Trockenzeit eine höhere Knitteranfälligkeit. Ausserdem ist Baumwolle empfindlich gegenüber Mikroorganismen (sie schimmelt z.B. schnell, wenn sie feucht aufbewahrt wird).

Viskose (CV oder VI)

Viskose wird aus natürlicher Zellulose hergestellt, also aus pflanzlichen Zellen. Meistens werden diese aus Buchenholz gewonnen, manchmal auch aus Fichten-, Pinien- oder Eukalyptusholz. Immer beliebter wird die Herstellung von Viskose aus Bambusfasern.
Die chemische Zusammensetzung des Rohstoffs ähnelt der von Baumwolle. Viskose ist im Grunde ein natürliches Material, allerdings werden die Fasern (obwohl aus Holz gewonnen) industriell auf chemischer Basis hergestellt und sind nicht (wie die der Baumwolle) natürlich gewachsen.
Man kann daher sagen, dass Viskose eine Kunstfaser mit natürlichem Ursprung ist – das Beste aus beiden Welten. Vom Tragegefühl und Verwendungszweck her kann man Viskose mit Baumwolle vergleichen, allerdings hält sie nicht so warm (im Sommer ein Vor-, im Winter ein Nachteil). Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung von Viskosestoffen ist wesentlich geringer als bei Baumwolle, auch entfallen die beim Baumwollanbau leider oft eingesetzten Herbizide und Pestizide. 
Viskose ist wie Baumwolle nicht knitterfrei. Gewebte Stoffe fallen jedoch besser, da Viskose weniger steif ist. Ein weiterer Vorteil der Viskose im Vergleich zur Baumwolle:  Sie lässt sich besser mit Farbe bedrucken und die Farben sind haltbarer (auch nach wiederholtem Waschen).  Dafür braucht sie ähnlich lang zum Trocknen wie Baumwolle. Ein Nachteil der Viskose ist etwas, was man sonst von Seide kennt: wenn eine Stelle nass wurde, bleiben nach dem Trocknen leichte Wasserränder zurück. Diese fallen allerdings selten, und nur bei hellen und einfarbigen Stoffen auf. Bei dunklen, bedruckten oder melierten Stoffen ist dies kein Problem. Bei der nächsten Wäsche verschwinden die Wasserränder ohnehin.

Modal (CMD)

Modal ist im Grunde wie Viskose. Das Grundmaterial ist jedoch ausschließlich aus Buchenholz. Die Herstellung ist, verglichen mit Viskose, etwas unterschiedlich. Modal ist etwas fester, verfügt über eine bessere Feuchtigkeitsaufnahme und trocknet schneller. Wie Viskose ist auch Modal keine Synthetikfaser, sondern eine Kunstfaser mit natürlichem Ursprung.

Polyester  (PES)

Polyester ist eine rein künstliche Faser, deren Ursprung Erdöl ist. Es ist sehr reiß- und scheuerfest und nimmt kaum Feuchtigkeit auf. Polyester ist die in der Bekleidungsindustrie beliebteste Kunstfaser, da es viele tragefreundliche Eigenschaften hat und sich zu Stoffen mit ganz unterschiedlichem Aussehen und Eigenschaften verarbeiten lässt. Außerdem ist Polyester (noch) relativ preiswert in der Herstellung und lässt sich hervorragend einfärben. Dies ist jedoch nur bei der industriellen Herstellung, nicht in der heimischen Waschmaschine möglich. Während des Herstellungsprozesses ist es möglich, die Fasern einzufärben und anschließend zu bedrucken. Dabei kommen spezielle Farbstoffe zum Einsatz, die in riesigen Bottichen bei hohen Temperaturen verarbeitet werden.
Polyester wird auch unter verschiedenen Handelsnamen vertrieben (z.B.  Trevira, Polarguard, Diolen, Thermolite, Vestan). Es wird oft so verarbeitet, dass es aussieht wie Baumwolle, Leinen oder Seide – man muss schon genau hinschauen, um den Stoff als Polyester zu enttarnen. Die geringe Feuchtigkeitsaufnahme kann ein Nachteil sein (Schweiss wird nicht aufgesaugt), aber auch ein Vorteil (nassgewordene Bekleidung ist schnell wieder trocken). Polyester knittert wenig bis überhaupt nicht und kommt daher ohne zeitaufwendiges Bügeln aus.

Polyamid (PA)

Polyamid ist wie Polyester eine Kunstfaser auf Erdölbasis. Polyamid ist sehr elastisch und knittert wenig. Polyamid wird hauptsächlich zur Herstellung von Feinstrümpfen ("Perlons") verwendet. In normalen Bekleidungsstoffen wird Polyamid weniger verwendet und wenn, dann meist nur in kleineren Anteilen. Handelsnamen für Polyamid sind z.B. Nylon, Perlon, Dederon (letzteres auch bekannt als Material für Einkaufsbeutel).

Polyacryl (PAN oder PC)

Polyacryl ist wie Polyester eine Kunstfaser auf Erdölbasis. Polyacrylfasern sind sehr bauschig und haben einen wollähnlichen Charakter. Daher wird Polyacryl gerne zur Herstellung von Pullovern oder Decken verwendet. Das Material hält sehr gut die Wärme, knittert kaum, lässt sich (wie Polyester) bei der Herstellung gut einfärben, ist elastisch und weich. Es wird häufig Wolle beigemischt, um die guten Eigenschaften beider Fasern zu kombinieren. Im Gegensatz zur Wolle läuft Polyacryl nämlich nicht ein, lässt sich gut bei 30 Grad in der Maschine waschen und trocknet schnell. Handelsnamen für Polyacryl sind z.B. Dralon, Orlon, Dolan. Der offizielle Name lautet übrigens nicht Polyacryl sondern Polyacrylnitril.

Polyurethan (PU)

Polyurethan ist wie Polyester eine Kunstfaser auf Erdölbasis und eine stark elastische Faser. Polyurethan wird normalerweise nicht einzeln verwendet, sondern anderen Fasern beigemischt, um diesen Elastizität zu geben. Polyurethan ist der Hauptbestandteil von Elasthan und Spandex.
Es kann auch aufgeschäumt werden und findet in dieser Form auch in der Textilindustrie Verwendung.  Kunstleder z.B. besteht meist aus aufgeschäumten Polyurethan, das auf einen textilen Untergrund aufgetragen wurde, dabei kann auch eine Struktur hineingedrückt werden, sodass es wie echtes Leder aussieht. Auch können Regenmäntel und Gummistiefel auf diese Weise hergestellt werden. 

Elasthan (EL oder EA)

Elasthan besteht zum größten Teil aus Polyurethan und ist eine stark elastische, synthetische Faser. Handelsnamen sind z.B. Lycra und Dorlastan. Elasthan wird normalerweise nicht einzeln verwendet, sondern anderen Fasern beigemischt, um diesen Elastizität zu geben. Elasthan lässt sich (wie Polyester) bei der Herstellung gut einfärben. Verwendet wird es in Textilien, die dehnbar und bequem sein sollen. Elasthan steckt z.B.  in Jerseystoffen und Badeanzugstoffen, jedoch auch in manchen Baumwollstoffen.